Sonntag, 12. März 2017

Sarkasmus.

Ich höre immer mal wieder Sätze wie: "Warum bist du so Sarkastisch?", "Mit deinem Sarkasmus musst du aufpassen, damit kannst du Leuten häufig vor den Kopf stoßen.", "Denkst du nicht du bist zu sarkastisch?",...
Und dazu möchte ich nun mal etwas sagen. Vielleicht bin ich sarkastisch.Vielleicht bin ich manchmal sehr sarkastisch. Und vielleicht ist es für manche manchmal zu viel. Ich kann das nicht beurteilen. Ich sage häufig Sachen, ohne darüber nachzudenken, ob sie denn jetzt sarkastisch sind, zu sarkastisch. Oder vielleicht sage ich sie auch genau deswegen. Und ja. Meine Situation hat wohl viel dazu beigetragen. Es kann sein, dass meine Art viele vor den Kopf stoßt. Dass es manche verunsichert. Aber. Aber! Auch, wenn ich ein Arschloch sein kann, manchmal vielleicht zu wenig Mitgefühl zeige, ich will den Menschen etwas Gutes tun. Und ich denke mit dem Sarkasmus mache ich es den Leuten einfacher. Ich habe es für mich als Mittel gefunden mit allem umzugehen. Und ich habe das Gefühl, dieses sarkastische macht es den Leuten auch einfacher. Ich bin so, um den Leuten die Angst zunehmen. Die Menschen sind unsicher, wenn sie mit mir reden. Vor allem solche, die sonst nicht so viel oder sogar gar nicht mit anderen Rollstuhlfahrern/Querschnittgelähmten zu tun haben. Sie haben Angst. ´Was, wenn ich jetzt aus Versehen sage, dass wir ja einen Kaffee trinken gehen können.' - `Oh Gott, kann ich sie fragen -Wie geht's- sie kann ja nicht gehen'-'Hoffentlich rutscht mir nichts mit Skifahren, ich meine sie hatte doch einen schlimmen Skiunfall und tut sich bestimmt schwer darüber zu reden'....Und so weiter. Was weiß ich, was für komische Gedanken da noch so durch die Köpfe ziehen. Und es ist ja ok! Vielleicht sitzt dir einer gegenüber, der sich angegriffen fühlt. Der sich schwer tut, über seinen Unfall zu reden. Ich eben nicht. Und wenn ich in den Raum komme und sage "Ja, ich war bisschen zu blöd zum Skifahren, hab mit dem Gesicht gebremst und jetzt sitz ich hier. Kaffee trinken gehen läuft trotzdem..." zeige ich eben Ja. es gibt da Differenzen. Ja ich sitze im Rollstuhl, aber hey! bitte behandle mich normal und mach dir nicht allzuviele Gedanken. Nehme ich dadurch nicht eben die Angst? Baue ich Barrieren nicht genau dadurch ab? Ich denke einfach die Leute sind dann schon mal lockerer. Haben nicht mehr all zu Große Angst, etwas falsches zu sagen. Sind entspannter mit mir. Es ist ja keine Aufforderung, Witze über mich zu machen. Es soll nicht heißen, dass alles lustig ist und dass man jetzt sofort sarkastisch antworten muss. Es soll den Umgang erleichtern. Ich merke selbst, dass ich noch sarkastischer/zynischer bin, wenn ich jemanden zum ersten Mal sehe. Ich denke, das einfach, um Grenzen zu stecken. Bzw. eben aufzuheben. Ich möchte einfach zeigen, dass es eben auch anders geht. Dass man mich nicht mit Samthandschuhen anfassen braucht. Dass man keine angst haben muss, etwas falsches zu sagen. Ich mache das unbewusst. Habe das aber jetzt reflektiert, weil mir eben hier und da gesagt wird, was ich eingangs aufgeführt habe. Und mich verletzt das ehrlich gesagt. Zum einen weil es meine Art ist. Weil ich so bin. Und auch, weil ich eigentlich das Gefühl hatte, ich erleichtere es damit den Leuten. Vielleicht denke aber auch nur ich so, und sehe das so, weil ich Sarkasmus eben mag. Und wenn, dann tut es mir nicht Leid, denn ändern kann ichs nicht wirklich. Auch, wenn ich an der ein oder anderen Stelle Zynisch bin. Das bin ich. Das mag ich. Und das ist, was es mir leichter macht und was es anderen leichter machen soll.
Aber ich kann gerne probieren mich jemandem gegenüber zu setzen und wenn derjenige fragt, wie es mir geht zu heulen anfangen und sagen 'ich kann doch gar nicht gehen'. (wobei das ja schon wieder witzig werde und ich ganz gerne mal sage um Leute, die ich eben nicht mag zu verunsichern:P Widerspricht dem gesamten Post jetzt, aber so ist das Leben. Das bin ich.)
Anderes Beispiel muss her. Wenn ich den Raum betrete sagen "Ich hatte einen schlimmen Skiunfall, bei dem ich mir das Rückenmark sehr hoch durchtrennt habe, seitdem auf den Rollstuhlangewießen bin. Bitte fragen sie nicht, wie es mir geht." Ist doch gleich eine Scheiß Stimmung. Muss doch nicht sein. Also ich bleibe bei meiner Art. Und wer sich dabei vor den Kopf gestoßen fühlt, kommt wohl einfach mit meiner Art nicht zurecht und das ist ok, aber dann wird das mit uns eben nichts mehr.

Montag, 6. März 2017

lieb

Mir ist etwas unglaublich nettes passiert.
Ich sitze in der Bibliothek, wollte mit meiner Hausarbeit beginnen, kommt ein Kommilitone an meinen Tisch mit einem Stapel Bücher. Ich hatte davor schon etwas mit ihm geschrieben und etwas die Hausarbeit diskutiert und er hatte wohl gemeint, ich könnte mir schwer tun an die geeigneten Bücher heranzukommen (dass ich einen Studienbegleiter habe wusste er denk ich nicht). Also hat er mir die Bücher gebracht, die er auch verwendet. Das war so unglaublich lieb und nett. Da war sogar ich etwas gerührt und hatte vor allem wieder einen klitzekleinen Glauben an das Gute im Menschen. Und vor allem wieder Mut fürs Studium. Der mir immer mal wieder fehlt, wenn mal wieder ein Raum nur über Treppen erreichbar ist. Aber dazu in einem folgenden Post mehr.

Dienstag, 21. Februar 2017

keine Hände, kein Brot?

Ich stand grad so in der Küche, hatte bisschen Hunger. Da lag ein Brot auf der Arbeitsplatte. Ich dachte mir nur, Brot wär jetzt schon gut. Problem: Brot im ganzen Essen eher schlecht, selbst eine Scheibe abschneiden für mich selbst unmöglich und keiner zuhause, der mir ein Stück abschneiden könnte.
Und jetzt bin ich auf eine über-krasse Idee gekommen. Ich kauf mir später für meine eigene Bude einfach eine Brotschneidemaschine. Dann bin ich darauf gekommen, dass ich mir ja auch einfach immer geschnittenes Brot kaufen kann. Und daaann bin ich darauf gekommen, dass ich eine Brotschneidemaschine ja auch so einstellen kann, dass ich Semmeln teilen kann. Und so auch alleine Semmeln essen kann. Später mal. Und jetzt bin ich glücklich, weil ich wieder etwas an Selbstständigkeit gewonnen habe.

Brotschneidemaschine dürfte zu bedienen sein. Knöpfe drücken geht easy, und Brot halten und schieben sicher auch.



PS: ich hasse Anspielungen auf den Film "Ziemlich beste Freunde".

Sonntag, 12. Februar 2017

Bücher gesucht

1. Semester überstanden :D

Ich muss sagen Jura macht schon sehr Spaß, vor allem Zivilrecht.
Ich merke nur ich muss mich noch um einiges mehr mit Politik auseinandersetzen um nen besseren Durchblick zu bekommen.
Ich werde die Tage mal etwas zu Rollstuhl und Uni posten.


Und liebe bibeltypen: bitte keine Messias-Bücher mehr! Kauft lieber Lehrbücher und schickt die, hab ich mehr davon. Ihr könnt ja irgendein Jesus Bild dazulegen, ich kann auch so tun als wäre ich interessiert.

Das ist das Problem. Die Lehrbücher. Zur Bibliothek brauch ich 1 1/2 Stunden. Viel zu lang, va brauch ich immer jemanden der mitkommt. Und alle Bücher kaufen ist teuer. Aber wenn ich lerne, lerne ich einfach am liebsten anhand verschiedener Quellen und lese verschiedene Bücher und Meinungen zu einem Thema. Also liebe Juristen, die Lehrbücher haben und loswerden wollen: nicht wegwerfen, mir schicken^^

Montag, 6. Februar 2017

Instagram: amelieebner

Hab jetzt neben meinem privaten Instagram auch mal ein öffentlichen Account. Denn so wirklich hab  ich noch nicht raus wie man hier Bilder hochladen kann.

Bei Interesse: amelieebner

Fuß und Rollstuhlfetischisten sind noch immer nicht gern gesehen

Donnerstag, 2. Februar 2017

vier

Die Leute stellen sich immer vor, wie schlimm es sein muss, zu erfahren, dass man querschnittgelähmt ist. Dass die erste Zeit hart sein muss, man sich daran gewöhnt und mit der Zeit lernt, damit umzugehen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, das Gegenteil ist der Fall.
Die erste Zeit, vor allem die ersten Tage sind im vergleich noch so entspannt.
Zum einen hast du noch überhaupt keine Ahnung, was da auf dich zu kommt. Du weißt nicht, was es heißt querschnittgelähmt zu sein. Hast keine Ahnung, dass du Jahre brauchen wirst, bis du wieder alleine aus dem Bett kommst. Du weißt noch nicht, dass nicht nur deine Beine nicht mehr gehorchen werden. Du merkst, dass es auch deine Finger, deine Arme, dein Rumpf nicht tun und wie viel mehr dich das noch einschränkt. Du weißt noch nicht, dass du nie wieder einfach so unter die Dusche springen wirst. Du merkst wie viel Zeit und Kraft es kosten wird, zu duschen. Du weißt noch nicht, dass deine fehlende Fingerfunktion dich schreiben komplett neu lernen lassen werden muss. Du hast keine Ahnung, dass in wenigen Monaten, alle deine Freunde, die versprechen dich immer zu unterstützen und für dich da sein werden, dir den Rücken zukehren. Sich nicht mehr melden und dich alleine lassen. Du weißt noch nicht, wie blöd, bemittleidend dich die Menschen anschauen werden. Weißt noch nicht, dass es unmöglich werden wird, alleine rauszugehen und zu tun worauf du Lust hast. Du weißt noch nicht, dass du in wenigen Wochen vom Menschen zum Rollstuhlfahrer wirst, so wie dich die Leute eben sehen werden. Du ahnst noch nichts von dem Kampf mit den Kassen, mit Behörden und Sanitätshäusern.
Da bist nur du und der Gedanke: "Ok, Mist, ich kann gerade nicht mehr aufstehen."

Und dann ist da noch etwas, das alles viel leichter macht. Da ist die Hoffnung. Da ist der Arzt, der dir sagt du wirst nie wieder laufen können und ein einziger Gedanke: Jaja, genau. In ein paar Tagen werde ich hier rausspazieren.
Die Ärzte, die immer wieder sagen, wie schwer deine Verletzung ist. Aber noch immer nur diese Überzeugung, dass das nur ein vorübergehender Zustand ist, nur ein vorübergehender Zustand sein kann. Wenn nicht die Beine, dann werden doch wenigstens die Hände, oder?
Dann kommen die Wochen und du verstehst nicht, warum du noch immer nicht laufen kannst. Noch nicht einmal aufstehen, mit dem Zeh wackeln, die Finger strecken.
Nach Wochen, sind es Monate. Noch immer nichts. Du wirst aus der Reha nach Hause entlassen. Warum? Ich kann doch noch gar nicht wieder laufen?
Die Ärzte sagen dir, man soll den Nerven Zeit geben. Zwei Jahre. Was bis dahin nicht kommt, kommt nicht wieder.
Dann ist ein Jahr rum. Du bekommst langsam Angst, denn du musst unbedingt in einem Jahr wieder laufen können, denn sonst wird das nie wieder. Und die Zeit vergeht. Zu schnell. Und dann sitzt du, wieder ein Jahr später, zwei Jahre nach dem großen Tag da. Fragst dich wo die Zeit geblieben ist und warum zur Hölle sich einfach nichts bessert. Warum kannst du nicht aufstehen? Warum kannst du dein Bein nicht heben. Warum kannst du nicht laufen. Und so langsam. Wirklich langsam, ängst du an zu realisieren. Du realisierst, dass es wohl doch kein vorübergehender Zustand war, ist. Dir fängt an klar zu werden, was das bedeuten könnte. Für immer. Und für immer ist ziemlich lang.
Und dann sitzt du da. Vier Jahre nach Tag X. Fragst dich wo die Zeit geblieben ist und warum zur Hölle sich einfach nichts bessert. Du hast realisiert, was es bedeuten kann. Für immer. Aber Akzeptanz ist da nicht. Du willst es nicht wahrhaben, aber die Hoffnung nimmt immer mehr ab. Die Hoffnung, die dich hat nach vorne schaun lassen. Die verliert sich mit der Zeit. Was bleibt ist die Angst. Wut. Und vielleicht auch Traurigkeit.

Du hast gedacht, spätestens in ein paar Jahren wirst du wieder laufen. Wirst nur selten daran denken, wie du einmal fast im Rollstuhl gelandet wärst. Aber die Jahre vergehen und du merkst, wie sich nichts tut.




















Donnerstag, 26. Januar 2017