Dienstag, 8. März 2016

Steh auf für Behinderungen

"Achso, du willst Anwältin werden? Und dann Behinderte und deren Rechte vertreten?"

Nein. Nein nein nein nein nein nein Nein. No.

Bekomme ich so oft zu hören und regt mich immer wieder auf. Nur, weil ich im Rollstuhl sitze, heißt es nicht, dass sich mein ganzes Leben nur noch um Behinderung dreht!
Mit Behinderungen hab ich mit mir schon genug zu tun.
(Abgesehen davon brauch ich sowieso nen Beruf mit ohne Menschen, weil ich da viel zu unsozial und Kopfmensch bin)
Aber gleich immer zu meinen jemand im Rollstuhl muss sich immer automatisch für Behinderte stark machen und für Inklusion kämpfen. Blablabla.
Bin ne Frau im Rollstuhl, hasse Feministinnen und hab kein Bock Inklusion in meinem Leben in den Mittelpunkt zu stellen. Ich bin für Inklusion, klar! Kämpfe auch gerne dafür und Versuch den dummen, angeblich nicht behinderten (da bin ich mir bei vielen nicht ganz sicher) Menschen bei zubringen, dass wir alle nur Menschen sind.
wenn ich mit meinen Posts/Artikeln meiner Art - what ever - Leute dazu bringen kann,anders - normal!!! - über Menschen im Rollstuhl zu denken, freut mich das.
Aber zufälligerweise bin ich halt auch Mensch. Ein Mensch, der in der Lage ist selbst Entscheidungen zu treffen. Und eins kann ich schon jetzt sagen: sollte ich wirklich Jura studieren und Anwältin werden, Safe nicht für Behinderte. Interessiert mich halt einfach nicht.
Aber mein Plan zurzeit ist eh Präsident oder König von Deutschland werden. Und nicht "Behindertenbeauftragte"


Vor allem werde ich auch oft gefragt 'wie geh ich mit Menschen mit Behinderung um?"
Woher soll ich das wissen? Hab (zum Glück) nicht alle Behinderungen der Welt in mir verkörpert. Woher soll ich wissen, wie mit einem Downsyndromtyp umgegangen werden soll? Normal Schätz ich mal?
"Wie gehe ich mit einer 20 jährigem Amelie um, die querschnittsgelähmt C6 ist, am 5.1. geb hat,....?" Das könnt ihr fragen und ich werde sagen: 'normal'
Oder ich werde sagen, dass ihr mit dieser Amelie gar nicht umgehen braucht, weil die einfach kein Bock auf Leute hat, die anscheinend kein Stück denken können.
Toll gemacht, jetzt werd ich wieder so aggressiv, dass ich gar nicht mehr weiß was ich schreiben wollte.

Sollte ich jemals die Möglichkeit haben, wirklich etwas in dieser Welt zu ändern, werd ich sie für alle ändern. Behinderte und nicht Behinderte.

Vielleicht geh ich wirklich in Richtung Politik. Wär interessant, ich werd für etwas bezahlt, was ich eh am liebsten mache: aufregen, bullshit labern und noch mehr reden. Perfekt eigentlich. Wenn sich dann alle bei mir einschleimen wollen und mich zum Essen einladen, nehme ich vielleicht endlich zu und wenn ich berühmt bin, sagt die Kasse auch nicht mehr so schnell nein. Perfekter Plan einfach. Also wählt mich mal schön alle. Danke






Kommentare:

  1. Näääääh Politik ist scheiße. Da sind einfach zu viele Idioten, über die man sich aufregen muss. Mei, du sitzt halt im Rollstuhl, Treppen sind da scheiße. Aber nur weil ich ne Brille trage muss ich doch nicht Sehbehindertenbeauftragter werden. Leider gibt es wohl sehr wenige Menschen, die das graue Zeug zwischen den Ohren benutzen. Glückwunsch, du gehörst dazu. Gar nicht so normal! Zieh weiter dein Ding durch. Es macht mir jedes Mal Freude, dein Blog zu lesen.

    Grüße

    Dennis

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  2. Dennis' Vergleich mit Brille=Sehbehindertenbeauftragter find ich klasse!
    Zu Deinem Post: Es gibt gottlob genügend "Verwendungsmöglichkeiten" für Jura-Rollis, die nix mit Behinderung zu tun haben. Umso mehr dafür ein Interesse der Staatsbehörden (=Staatsanwaltschaft, Richter, aber auch sämtliche Ministerien und die Regierungen der Bezirke), (akademische) Schwerbehinderte für sich zu gewinnen, damit sie die Quote erfüllen.
    Deine Wortgewalt könnte Dich jedenfalls nicht nur für Journalismus und Schriftstellerei, sondern durchaus auch für fulminante Plädoyers bzw. fetzige Anklageschriften oder - etwas feinziselierter und mit einer Prise über-den-Dingen-schwebenden Hochmuts - unangreifbare Rechtsprechung qualifizieren.
    In diesem Sinne: Verfolg' Jura ruhig weiter - könnte wirklich "Dein Ding" sein.
    Lieben Gruß
    Andreas

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    1. Moin Andreas,

      SZ-Leser incoming...
      in großen Teilen Deines Posts bin ich bei Dir, aber Deiner Schlussfolgerung, dass Amelies brillante Schreibe bestens zu ihren juristischen Ambitionen passt, kann ich nicht folgen.
      "Fetzige Anklageschriften" sind beispielsweise eine ideale Steilvorlage für Befangenheitsanträge der Gegenseite...
      Juristische Sprache ist nüchtern, trocken und dabei so präzise, dass sich eine CNC-Fräse dagegen ausnimmt wie ein ausgeleierter Schraubenschlüssel.
      Dazu bedienen sich Juristen auch einer ausgefeilten Terminologie.
      (Kleines Klugscheisser-OT:) Ein gutes Beispiel für ein gelungenes Plädoyer findet sich heute übrigens auf Spiegel Online: Sascha Lobo begründet sachlich und mit Fakten warum man die AfD bei den kommenden Landtagswahlen nicht wählen soll.
      Das Teil verzichtet bis auf eine Methaper auf sprachliche Kunstfertigkeit, und packt, alte Werbetexter-Schule, in jeden Satz eine Aussage. Oder nimm Ferdinand von Schirachs "Verbrechen". Sehr erfolgreicher Strafverteidiger. Und auch hier: Fakten. Die Wirkung erzielt er mit deren Komposition. Beispielsweise wenn er eine japanische Schale beschriebt und man den Eindruck erhält: Kriegt man billich auf dem Flohmarkt.
      Dann führt er trocken auf, dass sogar ein Krieg um das Teil geführt wurde...
      OT-Klugscheissermodus out und "Hallo Amelie":
      (Habe keinen Bock drauf, dass Du Deinem Blog Dinge über Dich in der Dritten Person stehen...)
      Das Bisherige bitte nicht falsch verstehen - was Du hier ablieferst ist endgeil.
      Die Art und Weise, wie Du uns an Deinen Gefühlen unmittelbar teilhaben lässt, oder mich zum Lachen bringst, und dabei immer neue Stilmittel ins Spiel bringst - Jooooo..
      Ich bin mir ziemlich sicher, dass Du vieles davon gar nicht bewusst einsetzt, sondern es einfach machst. Man/Frau hat es eben oder nicht. Und Du hast es.
      Den berühmten Feinschliff des Rohdiamanten, sei es durch einen Lektor, einen Creative Director oder einen Chefredakteur - egal durch wen, ich würde mir das wünschen.
      Aber Dir schwebt ja Jura vor. Ist aber eher was für "Kopfmenschen", mit eher mathematischen Neigungen. Kommt Dir bekannt vor?
      Dann sach mich mal ganz platt: Unterschiedlicher Lösungsweg, gleiches Ergebnis: "Verfolg Jura ruhig weiter - könnte wirklich "Dein Ding" sein ;-)

      Liebe Grüße

      Michael


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    2. Nominiere hiermit "Juristische Sprache ist nüchtern, trocken und dabei so präzise, dass sich eine CNC-Fräse dagegen ausnimmt wie ein ausgeleierter Schraubenschlüssel." zum Spruch des Quartals. :-D

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  3. warst ganz schön zindig gäh?
    lg
    khs

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  4. Hallo Amelie,

    warum regt Dich es so auf, wenn jemand Dir die Kompetenzen für Deine Lebenssituation zubiligt? Weil man Dich darauf reduziert? Sag doch einfach: "Klar mache ich das. Und bei Ihnen fange ich mit dem Grundgesetz gleich an!"

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